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Stand 24.11.2022

Boxenbau Projekt 6: PA-Bassreflex-Subwoofer

von K. Föllner
 

1. Einleitung:

Hier wird der Aufbau meiner PA-Subwoofer beschrieben, die den Bass zu den Top-Teilen aus Projekt 5 bereitstellen.
Wie auch bei den Topteilen, war der erste Gedanke: Bass-Hörner. Die sind aber auch sehr groß und haben Probleme in Räumen. Also wurde auch aus Zeitnot, erst mal ein "kleiner" Subwoofer mit halbwegs Druck geplant, passend zu den Top-Teilen, die ja 100 dB SPL bei 1 W, 1 m und 450 W RMS haben. Da die obere Übernahmefrequenz auch flexibel sein sollte, so zwischen 120...200 Hz, fielen hier Bandpässe raus. Hier zeigen sich aber die physikalischen Grenzen: Hoher Schalldruck (also großer Wirkungsgrad) bedeutet großes Volumen oder weniger Tiefgang. Das lässt sich nicht ändern, so ist ein Kennschalldruck oberhalb von 97 dB SPL bei unter 50 Hz beim Bass einfach nicht machbar, oder man hätte riesige Volumen von mindestens 200 Litern.

2. Treiberauswahl

Anforderungen an den Basstreiber:
- 15" Subwoofer für entsprechende Membranfläche (sonst müsste Xmax zu groß werden)
- noch handhabbarer Boxengröße (50 ... 120 Liter)
- Für Bassreflex-Gehäuse geeignet (Qts) mit guter Belüftung und höherem Wirkungsgrad.
- Pegel mindestens 95 dB SPL bei 1 W 1 m (Hier zog ich allerdings nur die aus den TSP errechneten Werte heran, die besser vergleichbar sind.) Durch das Positionieren auf dem Boden sollten hier rein messtechnisch aber nochmals etwas hinzukommen.
- Belastbarkeit mindestens 600 W RMS-Leistung mit möglichst wenig thermischer Kompression (also 100 mm- bzw. 4-Zoll-Schwingspule)
- Xmax mindestens 8 mm, um 50 Hz mit mind 123 dB SPL linear zu treiben
- Xlim mindestens 12 mm, um bei großen Leistungen (>1000 W) keine Beschädigungen zu haben

Folgende Treiber habe ich mir genauer angesehen: die jeweiligen Bestwerte sind unterstrichen, Problemwerte rot fett hervorgehoben
(Einige weitere sah ich mir auch noch an, diese aber schnell wieder verworfen...)

Treiber
Qts
fs (Hz)
Pmax (W)
Sd (cm²)
Xmax (+- mm)
Xlim (+- mm)
dB SPL bei 1W / 600W / Pmax*
powercompression
BR: V / fgu
Preis (EUR)*
1. 18sound 15NLW9500
0,32
35
1000
910
9,0
19,5
95,0 / 122,8 / 125,0
2,6 dB
90 l / 45 Hz
309
2. 18sound 15W750
0,37
39
600
910
8,0
19,0
97,1 / 124,9 / 124,9
4,0 dB
150 l / 45 Hz
210
3. 18sound 15NLW9300
0,26
39
800
900
8,0
17,5
97,6 / 125,4 / 126,6
3,0 dB
60 l / 60 Hz
325
4. Eminence Omega Pro 15A 0,32
33
800
856
4,8
12,2
96,4 / 124,2 / 125,4
?
130 l / 44 Hz
219
5. Eminence Kappa Pro 15LF-2
0,30
35
600
856
6,7
18
96,2 / 124,0 / 124,0
?
100 l / 47 Hz
185
6. Fane Colossus 15 XB 0,32
38
800
855
7,5
?
96,3 / 124,1 / 125,3
?
95 l / 48 Hz
230
7. Fane Colossus Prime 15 XS 0,31
36
1000
855
12
30
95,4 / 123,2 / 125,4
ca. 3 dB?
80 l / 47 Hz
249
8. RCF L15P200AK-II-8
0,34
38
800
830
9,8
18
95,3 / 123,1 / 124,3
?
90 l / 45 Hz
229
9. BMS 15S330
0,37
40
600
881
8,0
?
96,1 / 123,9 / 123,9
?
90 l / 48 Hz
259
10. BMS 15N830V2
0,27
37
1100
881
8,0
?
96,3 / 124,1 / 126,7
?
55 l / 59 Hz
400
11. Faital FX560
0,30
38
700
810
9,4
10,9?
95,5 / 123,3 / 124,4
?
65 l / 52 Hz
380
12. beyma 15G40
0,30
37
700
830
7,0
16,5
95,8 / 123,6 / 124,3
?
75 l / 50 Hz 260
13. B&C 15PZB100
0,29
39
700
855
8,0
?
96,7 / 124,5 / 125,2
?
65 l / 56 Hz
255
14. Precision PD.15BR40
0,32
38
700
830
10,5
?
95,7 / 123,5 / 124,2
?
80 l / 49 Hz
225
15. Volt RV4504-18
0,35
33
750
962
10
25
95,0 / 122,8 / 123,8
?
150 l / 38 Hz
>500
16. celestion FTR15-4080FD
0,25
34
1000
855
6,0
?
95,1 / 122,9 /  125,1
?
40 l / 60 Hz
?
* Die SPL-Werte sind alles errechnete Werte ohne thermische Kompression.
Die Preise sind von Anfang 2014, bei einigen Chassis (so z.B. auch bei den betrachteten RCF und dem Fane) gab es Mitte 2015 eine Preiserhöhung um durchschnittlich 5...10 %.

Resümee:
Man sieht schnell, dass hier keiner zaubern kann. Leider gibt nur Eighteensound die Power-compression bei Maximal- und halber Leistung an. (Der Tabellenwert oben ist bei Pmax.) Dieser sagt aus, um wie viel Dezibel der Pegel gegenüber dem erechneten niedriger ist. Je besser die Schwingspulenkühlung funktioniert, desto geringer ist dieses Delta.

Der Volt ist ein 18"-Woofer mit kleinerer Membranfläche, der aber richtig tief gehen kann, wenn man ihm Volumen gibt. Er ist im Schnitt nur 1 dB leiser, mit 300 Pfund (>400 EUR) aber zu teuer.
Beide Eminence-Teile sind von den Eckdaten und dem Preis wirklich ziemlich gut, nur die lineare Hub Xmax ist für große Pegel einfach zu klein. Auch der beyma wäre geeignet, er erlaubt etwas kleinere Volumen und der Tiefgang ist nur marginal schlechter.

Der Fane Colossus 15XS braucht etwas mehr Power, um auf den gleichen Pegel zu kommen, dafür ist das Gehäuse kleiner. Oder man erhöht es von 80 l auf 110 l, kommt damit auf etwa 43 Hz runter, mit einem Buckel. Die 200 l aus dem Datenblatt halte ich dann doch für etwas zu viel. Daneben war auch der RCF-Klassiker L15P200 in seiner aktuellen Variante AK2 und der precision PD15BR40 interessant.

Ich machte mir mal den Spaß, die Kurven meiner 3 Favoriten (Fane, RCF und precision devices) bis 2 kHz übereinander zu legen. Also nahm ich das Bild aus dem precision-Datenblatt und kopierte die anderen beiden angepasst mit hinein.
Die Einbaugüten Qtc sind im Bild vergleichbar, sie liegen beim Fane bei 0,33 (975 l) beim RCF bei 0,37 (600 l) und beim precision bei 0,34 (975 l). Durch die Halbraum-Messung könnten hier die Pegel abweichen, also 3 dB über dem theoretischen Wert liegen. Ob auch der Raum die Frequenzgangmessung beeinflusst hat, kann ich nicht sagen, vermute es aber stark. Bei etwa 1,1 kHz treffen sich alle Verläufe in einem Punkt.



Der RCF sieht hier am gleichmäßigsten aus, hat aber den geringsten Pegel im wichtigen Frequenzbereich zwischen 40...150 Hz. Er hat auch nicht die Senke um 60 Hz wie die anderen beiden. In der Abstimmung könnte dieser Anstieg eventuell zu einer Begradigung führen, da hier bei ca. 50 Hz der Pegel wieder steigt. Der precision hat erst um 90 Hz den höchsten Pegel, er könnte hier etwas wummerig klingen.
Der Frequenzgang des RCF ist bis 250 Hz absolut sauber und der Treiber ließe sich wirklich, wie von Hersteller angegeben bis 1 kHz betreiben. Den Fane würde ich ohne Entzerrung nicht betreiben, er ist schon im unteren Bereich sehr wellig. Auch die 500 Hz vom Hersteller würde ich sicherlich nie nutzen, bei 300 Hz ist hier spätestens Schluss. Diese Schwankungen können durch Raumreflexionen oder vom Aufbau der Zentrierspinne oder Aufhängung stammen.

Schaut man sich den Aufbau des Treibers an, sieht der Fane am robustesten und besten ventiliert aus, er hat ja auch die höchste Maximalleistung. Auch der RCF scheint eine gute Schwingspulenkühlung zu haben. Laut Internetkommentaren ist er auch ein richtiger Druckmacher. Der precision erscheint hier etwas altbacken und hat auch die geringste Maximalleistung, er sollte also auch die höchste power-compression haben.

Für maximalen Pegel nimmt man den Fane, für besseren Klang den RCF.

Fane:
Frequenzgang Fane
Fane-Datenblattangaben:

Parameter
Wert
Chassis-Durchmesser: Membran / Korb / Korbmax
330 / 387,4 / 406,4 mm
Einbautiefe Außen- / Innen-Einbau
188 mm / 196 mm
Frontausschnitt Außen- / Innen-Einbau
355,6 / 351,8 mm
Schwingspulendurchmesser 101,6 mm
Widerstand / Impedanz
5,2 / 8 Ohm (Alternativ auch 4 und 16-Ohm verfügbar)
Maximalleistung
1000 W(AES) / 2000 W (Programm) / 4000 W (peak)
Freiluftresonanz fs
36,3 Hz
Freiluftgüten Qts / Qes / Qms
0,31 / 0,32 / 7,7
Äquivalentvolumen Vas
149,7 Liter
eff. Membranfläche Sd
855 cm²
lineare Auslenkung Xmax / peak-to-peak-travel Xlim2x
12 mm / 60 mm
Schwingspulen-Induktivität Le
1,93 mH
SPL (berechnet) / Empfindlichkeit
95,4 / 98 dB SPL (1 W, 1 m)
empfohlener Frequenzbereich / Einbau
30 ... 500 Hz / Bassreflex 70 ...125 Liter
Masse
12,7 kg

Leider ist das Datenblatt ziemlich dürftig.

RCF:

RCF-Datenblattangaben:

Parameter
Wert
Chassis-Durchmesser: Membran / Korb / Korbmax
325 / 387 / 387 mm
Einbautiefe Außen- / Innen-Einbau
124 mm / 138 mm
Frontausschnitt Außen- / Innen-Einbau
358 / 362 mm
Schwingspulendurchmesser 100 mm
Widerstand / Impedanz
6,5 / 8 Ohm
Maximalleistung
800 W(AES) / 1600 W (Programm) / 3200 W (peak)
Freiluftresonanz fs
38 Hz
Freiluftgüten Qts / Qes / Qms
0,34 / 0,35 / 8,1
Äquivalentvolumen Vas
139 Liter
eff. Membranfläche Sd
830 cm²
lineare Auslenkung Xmax / peak-to-peak-travel Xlim2x
9,8 mm / 36 mm
Schwingspulen-Induktivität Le
1,5 mH
SPL (berechnet) / Empfindlichkeit
95,3 / 95 dB SPL (1 W, 1 m)
empfohlener Frequenzbereich / Einbau
35 ... 1000 Hz / Bassreflex
Masse
11,7 kg

Auch hier ist das Datenblatt noch etwas dürftig.

Simuliert man die beiden Treiber in einem Bassreflexgehäuse, fühlen sich beide bei 90 Litern wohl, der Pegelunterschied ist minimal (unhörbare 0,3 dB). Leider ist die thermische Kompression nicht angegeben.

Simulationsvergleich

Da der RCF hier einen deutlich linearen Verlauf im Bassbereich hat, mit 800 W gegenüber 1000 W nur minimal weniger Power besitzt und sogar noch etwas günstiger ist, nahm ich diesen Klassiker.

3. Bassreflex-Abstimmung und Gehäusegröße

Wie schon erwähnt genügen 90 Liter Bassreflex für den RCF. Ich spendierte ihm etwas mehr, um etwas tiefreichenden Bass zu bekommen.Als sinnvolle Querschnittsfläche wählte ich 279 cm², das sind mehr als 1/3 (genau 33,6%) der Treiberfläche, auch bei der Berechnung abhängig von der Tuningfrequenz (43 ... 46 Hz nominal) und Xmax reicht das aus. Mit Dämmwolle an den Seiten ging ich von einem Bruttovolumen von 100 Litern aus, die effektive Tunnellänge musste dann etwa 28 cm betragen.
Frontdarstellung mit Maßen:
Zeichnung
                        der Front

Seitendarstellung mit Maßen:

Seiten-Schnitt

Die nicht bemaßten Leisten rechts sind Streben zur Versteifung.

Die Simulation bei 100 Litern (3x d=10 cm / L=28 cm) ist stark abhängig vom Verlustfaktor, mit QL=10 ergibt sich eine unterre Grenzfrequenz von 42 Hz (-3 dB) bzw. 34 Hz (-8 dB) und 32 Hz (-10 dB).

4. Gehäusebau

Zum Einsatz kamen wieder wie im Projekt 5 die 15 mm Multiplexplatten (Meranti), die leicht und stabil sind. Die Front wurde ebenfalls aus dieser Dicke gefertigt, aber noch 20 mm zurückgesetzt.
Die Breite und Höhe wurde möglichst klein gewählt, 44 cm Außenbreite und 52 cm Höhe, für die Tiefe ging ich auf 55 cm. Der Bassreflextunnel wurde unterhalb des Treibers als rechteckigen Tunnel über die komplette Breite eingeplant. In die Mitte kam nur ein 12-mm-Steg zu Stabilisierung. Somit ergaben sich 7 cm Tunnelhöhe bei einer effektiven Breite von 39,8 cm, Die 12 mm starke Multiplexplatte für den Tunnel ist 26 cm tief und wurde hinter die Frontplatte geschraubt, so ergeben sich etwa 29 cm an effektiver Bassreflexrohrlänge. Mit dieser Größe lassen sich zwei dieser Boxen zur Not auch auf dem Rücksitz einer normalen Limo transportieren.



In jeden Deckel kam je ein Boxenflansch, um mit einer 35-mm-Distanzstange die Tops in korrekter Höhe zu halten.
Vor allem durch das leichte Holz, aber auch passable Treiber sowie Kunststoff-Griffe (Monacor MZF-337) ist jede Bassbox relativ leicht.

Hier sind die beiden Tops mit den 2 Bässen, den passiven Frequenzweichen zu sehen:




In der Mitte sind die beiden passiven Weichen für die Tops und die Distanzrohre (d= 35 mm, l= 100 cm) zu sehen

5. Pegel

Bei den ersten Test merkt man schnell, dass die Chassis erst mal eine Einlaufphase benötigen, um weicher zu werden. Das bestätigte auch die buckelige Messung.
Bei extrem tiefen Bässen pustet es ordentlich im Reflexkanal. Aber auch in Räumen kann man mit 2x150 W ordentliche Pegel erzeugen. Für deutlich höhere Pegel (draußen oder in Sälen) sind aber große Endstufen mit mind. 600 W notwendig.
600 W sind nur 75 % der RMS-Leistung, die Bässe werden also nicht an die Grenze gefahren und sollten so lange halten.
Bei Frequenzen oberhalb 38 Hz verlässt die Schwingspule auch bei 800 Watt nicht den linearen Bereich Xmax des Treibers.

Die Hoch-Mitteltöner waren hier aufgrund des 6 dB höheren Wirkungsgrades und empfindlicherer Ohren noch im Leerlauf.

Aufgrund des Blinkens der -6dB-LED am 2x600-Watt-Amp kam in großen Räumen der Wunsch nach mehr Reserve auf: Vor allem im Freien dürfte das auch nötig sein.
Mit einem zweiten Paar Bässen kann man hier noch etwas drauflegen. Das zweite Paar erhöht den Kennschalldruck um 3 dB, wenn die Bässe nah genug beieinander stehen. Mit dann doppelter Leistung erhält man so 6 dB mehr Schalldruck.
Mit den beiden parallel geschalteten Bass-Paaren (jede Seite 2 Stück) kam ich von 2 x 600 W auf 2x 920 W und steigerte so den Maximalschalldruck um etwa 5 dB. Jeder Subwoofer erhält dann 460 W ist also bei nur 58 % der RMS-Belastbarkeit.
Um die Boxen sowohl nebeneinander als auch übereinander stapeln zu können, blieben die Abmessungen des zweiten Paars gleich.
Das neue, zweite Paar bekam dafür je 4 runde Sacklöcher (Tiefe 5 mm) in den Deckel gebohrt, um die Hartgummi-Füße (D=40 mm, d=15 mm) des oberen Subs aufzunehmen und einen stabilen Stand zu gewährleisten. Das Holz wurde daher unter diesen Sacklöchern noch etwas verstärkt.
Ein weiterer Unterschied zwischen altem und neuem Paar war ein anderer Flansch. Das erste hat einen 35-mm-Stahleinsatz zum Einstecken, das zweite bekam nun einen M20-Schraubflansch (Rockstand Flange Adapter M20 Bolt bei thomann).
In Fall des Aufeinanderstapelns muss dann eine kürzere Distanzstange verwendet werden. Ich nutze dafür dann anstatt der 1 m langen Stange für jede Seite eine 60 cm lange Stange, die ich durch Trennen eines originalen 120 cm langen 35 mm Rohrs erhielt.

Um bei tiefen Bassfrequenzen nicht den linearen Hubbereich (+- 9,8 mm) zu verlassen, kam in der digitalen Weiche ein low-cut 4. Ordnung zum Einsatz. Abhängig von der maximalen Leistung am Lautsprecher wählt man die untere Grenzfrequenz fgu (-3dB = halbe Leistung) Da der Lautsprecher oberhalb der Tuningfrequenz immer mit bis zu 900 Watt betrieben werden kann, ohne dass die Membran mechanisch den Magneten verlässt, nehme ich mal 450 W als maximalen Punkt bei fgu an und nahm daher 35,6 Hz. Für andere Maximalleistungen gilt folgendes:

300 W (600 W)
350 W (700 W)
400 W (800 W)
450 W (900 W)
33,2 Hz
34,1 Hz
34,9 Hz
35,6 Hz

6. Aktivsubwoofer

Wer den Sub als reinen Aktivsubwoofer betreiben möchte, hier wäre das Aktivmodul AVM-3 von JB-Systems vielleicht eine interessante Wahl. Für ca. 320 EUR gibt es ein Modul, dass neben der Lautstärkeregelung auch ein wahlweise einstellbares Tiefpassfilter bietet. Auch besitzt es die so wichtigen, symmetrische Eingänge (XLR in/out), ist in class-D ausgeführt und hat mit 800 W an 8 Ohm genug Leistung. Eine zusätzliche Speakonbuchse erlaubt das zusätzliche Parallelschalten eines weiteren Basses. Dann sind immerhin noch 1200 W an 4 Ohm drin, also 2x 600 Watt.

Leider ist dieses Modul (Stand November 2021) nicht mehr erhältlich. Das AVM-2 gab es 2021 noch (ebenfalls für 320 EUR), dieses bot aber nur 500 W an 8 Ohm und 800 W an 4 Ohm. Der Bass ist damit etwa 2 dB leiser. Theoretisch wäre auch ein 4-Ohm-Chassis als Alternative möglich. Ende 2022 war auch das AVM-2-Modul nicht mehr käuflich zu erwerben.

7. Messungen

Hier mal eine Schallpegelmessung (mit dem REW) eines neuen Subs in 1 m Entfernung.
Mittelung 1/6 Oktave, Messmikrofon ECM999 (noch nicht kalibriert)
Diese Messung sagt aber nur bedingt etwas aus, da der Raum leider einen starken Einfluss hat. Wobei ich eher vermute, dass der Lautsprecher noch zu neu und nicht eingelaufen war, da der Pegel der tiefen Frequenzen zu gering ist. Ich schaue mal, dass ich eine aktuelle Messung machen kann.

Messung

8. Update 2022/2023

Als ich mich im Oktober 2022 auf die Suche machte, um zu schauen, ob es eine Option gibt, in Zukunft mehr Reserve durch zwei weitere Bässe zu bekommen oder so auch eine Aktiv-Subwoofer-Variante zu erhalten, stellte ich fest, dass der benutzte RCF-Typ nicht mehr hergestellt wird, genau wie der obige Precision-Treiber. WIe schon in Kapitel 6 erwähnt, gab es auch die möglichen JB-Systems-Aktivmodule AVM-3 und AVM-2 nicht mehr.

Sechs Subs hätten neben mehr Schalldruck auch den Vorteil, dass man auf zwei Stacks aus je 3 Stück das Top direkt stapeln könnte, ohne irgendwelche Rohre nutzen zu müssen. Die Tops stehen dann auf etwa 1,60 m Höhe.
Sechs 15-Zöller haben mit etwa 5000 cm² auch mehr Membranfläche als vier 18-Zöller.

Treiber:

Einen 15-Zoll-Korb mit mind. 700 W RMS, einer 4-Zoll-Schwingspule und mindestens 8 mm Xmax sowie TSPs, die sehr nah am RCF liegen, waren meine Vorgaben. Bevorzugt wurden 8-Ohm-Chassis. Preislich waren unter 300 Euro das Ziel, 400 EUR die Obergrenze.
Die Amplituden-Simulation mit der Original-Abstimmung sollte sehr ähnlich aussehen. Da der neue Aktivsub aber auch mit den anderen parallel laufen soll, muss auch der Phasenverlauf sehr nah am "Original" sein, damit es zu einer Schalldruck-Verdoppelung im Bassbereich kommt. Die Tuningfrequenz ist durch das identische Innenvolumen und die gleiche Rohrabstimmung immer identisch, das passt zumindest sehr gut. Die obere Resonanzfrequenz (um 72 Hz beim RCF im obigen Gehäuse) hängt zusätzlich von den Chassis-Parametern vor allem der Freiluft-Resonanzfrequenz fs ab. Wobei die Herstellungsfrequenzen hier bereits in einem ähnlichen Bereich liegen.

Das heißt, die folgenden Eckdaten mit den Bereichen sollten erfüllt werden:
  • fs: 35 ... 41 Hz
  • Qts: 0,31 ... 0,36
  • Qes: 0,32 ... 0,38
  • Vas: 120 ... 150 Liter
Als Ersatztyp für den RCF könnten folgende Typen möglich sein:

Treiber
Bemerkung
Total Match
delta - (dB)*
delta + (dB)* fs (Hz)
Qts
Qes
Vas (l)
Xmax (mm)
Prms (W)
SPLcalc (dB SPL)
Preis (EUR)
RCF L15P200AK II
Referenz
10/10
0
0
38
0,34
0,35
139
9,8
800
95,3
(300)
JBL Selenium 15SW1P
in D. nicht verfügbar 8/10
-0,27 @ 80 Hz
+0,16 @ 43 Hz
40
0,35
0,36
120
9,3
800
95,2
200-400
18sound 15NLW9500
viel zu teuer
8/10
-0,30 @ 39 Hz
+0,03 @ 62 Hz
35
0,32
0,34
163
9,0
100
95,0
540
Fane Colossus Prime 15 XS in D. derzeit nicht verfügbar
8/10
-0,37 @ 88 Hz
+0,08 @ 47 Hz
36,3
0,31
0,32
149,7
12
1000
95,4
(380)
Oversound 15-800 ST in D. nicht verfügbar 8/10 -0,48 @ 59 Hz -0,09 @ 150 Hz 40 0,34 0,38 131,5 9,0 800 95,4 (230 in BR)
Oversound 15 SUB 800 XT
in D. nicht verfügbar 7/10
-0,43 @ 69 Hz
+0,12 @ 42 Hz
41
0,35
0,36
117
9,5
800
95,4
(200 in BR)
SICA 15 S 4 PL -3dB minimal 1 Hz höher
7/10
-0,35 @ 70 Hz
+0,21 @ 150 Hz
39
0,31
0,32
137,4
8,5
700
96,0
360
Oberton 15NXL700
Verlauf abweichend
7/10
-0,48 @ 63 Hz
+0,88 @ 150 Hz
43,4
0,30
0,31
127,1
9,25
700
97,1
300
Oberton 15NXB1200 1 dB leiser 6/10 -1,18 @ 88 Hz
+0,43 @ 46 Hz
38,5 0,32 0,34 112 12 1200 94,7 300
SICA 15 PNS 4
mehr als 1 dB leiser
6/10
-1,33 @ 150 Hz
+0,12 @ 48 Hz
37,3
0,35
0,38
116,3
9,0
1200
93,9
340
BMS 15N850V2 mehr als 1,5 dB leiser bei 100 Hz
6/10 -1,54 @ 100 Hz
+0,49 @ 47 Hz
37 0,33
0,34
111
12
1200
94,1
500
beyma 15LX60V2 TSPs außerhalb 5/10
-0,42 @ 150 Hz +0,53 @ 31 Hz 42 0,44 0,45 105,5 9,0 700 94,3 340
Precision Devices PD.154C001
Abstimmung abweichend
5/10
-0,60 @ 58 Hz
+1,13 @ 150 Hz
45
0,31
0,335
128
8,2
900
97,3
265
beyma 15P1000/ND mehr als 1 dB leiser um 70 Hz
5/10
-1,08 @ 72 Hz
+0,54 @ 43 Hz
45
0,34
0,36
88
8,0
1000
95,4
375
Oberton 15XB1201
mehr als 1 dB leiser um 90 Hz 5/10
-1,28 @ 80 Hz
+0,51 @ 46 Hz
39,8
0,31
0,32
109
12
1200
95,2
?

*Das Delta gibt die maximale Differenz (- für den kleinsten Wert, + für den größten Wert) in dB SPL (absoluter Pegel inkl. SPL) zur RCF-Simulation im Frequenzbereich 30...150 Hz an, wobei V= 91 l, 278 cm², l= 29 cm, Ri= 0,1 Ohm, QL= 7.
Dazu wurden die simulierten Frequenzgänge in ein CSV-File exportiert und alles in einer Tabellenkalkulation zusammengetragen.

Vor allem die beiden Treiber der brasilianischen Hersteller Oversound und Selenium passen gut, aber einen Händler dafür in Deutschland fand ich leider nicht.
Der schon früher betrachtete (englische) Fane passt auch gut, aber genau dieser Typ ist, obwohl er laut Fane-Webseite im November 2022 noch produziert wird, zumindest in Deutschland aktuell nicht erhältlich.

Aktivmodule:

Um direkt ein fertiges Aktivmodul für diesen Subwoofer zu nutzen, begab ich mich auf die Suche.

Anforderungen:
  • dichtes Metallgehäuse zum direkten Einbau in die Boxen-Rückseite
  • Ausgangsleistung mindestens 600 W besser 700 Watt RMS an 8 Ohm
  • class-D-Schaltung für hohen Wirkungsgrad (niedriger Stromverbrauch und geringere Wärmeentwicklung) besonders bei diesen hohen Leistungen
  • Schutzschaltungen der Endstufe gegen Überstrom/Kurzschluss, Übertemperatur
  • symmetrischer Eingang mit XLR- oder TRS-Klinkenbuchse für lange Kabel (z.B. für Bühneneinsatz)
  • eingebaute Frequenzweiche mit regelbarer Übergangsfrequenz für flexiblen Einsatz
  • Pegelregler
  • Phasen-Schalter
  • nicht zu groß für den Sub (max 25 cm breit, 40 cm hoch und 8 cm tief)
  • nicht zu schwer (< 6 kg)
  • Kaltgerätebuchse oder noch besser powerCON-Buchse für Netzanschluss
  • Netzschalter
nice-to-have Features:
  • möglicher 4-Ohm-Betrieb für zusätzlichen Lautsprecherausgang mit mind. 1000 W RMS
  • Anzeige mit LEDs über Pegel oder Leistung, um frühzeitig Erreichen des Maximums (z.B. -3 dB) und das Clipping (0 dB) anzuzeigen
  • XLR-Through zum Durchschleifen zu weiteren Subs ohne Y-Adapter
  • Ground-Lift-Schalter
  • Limiter
  • Lautsprecherschutz gegen Überlast und Gleichspannung
  • Regelbarer Hochpass-Ausgang für Satelliten
  • Relais am Ausgang (hochohmig), damit wäre ein auch ein passiver Betrieb möglich
  • leiser Lüfter

Hersteller und Name
Pmax an 8 Ohm (W)
Besondere Features
Preis (EUR)
? - AMP 700 Sub PRO*
700
1000 W an 4 Ohm, powercon, XLR-Thru, Kombi-Eing.-Buchse
219 - 340
? - DS700 DIGI SUB*
700
900 W an 4 Ohm, Kombi-Eing.-Buchse, Limiter, aber ohne geschl. Gehäuse
189 - 300
Sioux - DIGI700SUB*
600
800 W an 4 Ohm, RCA-Eingänge, Hochpass-Ausg., Kombi-Eing.-Buchse 200 - 380
* bei www.boomtownshop.de/

Leider fand ich kein Modul von einem Markenanbieter. Bei den obigen no-name-Teilen kann man den Leistungsangaben oft nicht trauen.
Die beiden ersten haben aber die gleiche Platinen.

Leider